Telefon-Abzocke Domainverkauf Wenn der Anrufer vom Vorkaufsrecht bei Domains spricht.

Sebastian Bork | Donnerstag, 18 Juni 2015. abzocke, domain, facepalm

Eines schönen Vormittags im April 2015 klingelte mein Telefon. Ein netter Herr von der "XYZ Service Europe GmbH" (Selbst wenn ich den Namen hier nennen dürfte, hab ich diesen ohnehin nicht verstanden, da er schön schnell und bewusst unverständlich in die Leitung genuschelt wurde) gab zu Verstehen, dass mein Kunde XYZ Ihn an mich verwiesen hatte, da ich mich für diesen Kunden um Belange hinsichtlich Internetauftritt, Domains und Co. kümmere.

Er fing an zu erzählen, dass mein Kunde ja bereits die Domains xyz.de und xyz.eu besitzen würde und nun eine dritte Partei (er dürfe natürlich keine Daten herausgeben) nun versuchen würde, genau die Domains xyz.net und xyz.com zu sichern. Es fielen Floskeln wie "unlauterer Wettbewerb, Schaden im Marketing" und er führte aus, dass man das ja auf keinen Fall zulassen dürfe und mein Kunde je umgehend reagieren müsse.

Bei den Worten "[...]und da Ihr Kunde ja Vorkaufsrecht auf die Domains hat, möchten wir ihm anbieten die Domains voher für sich zu registrieren[...]" schaltete ich dann komplett auf Comedy-Modus.

Ich erkundigte mich aber ersteinmal mal noch, was es denn für meinen Kunden kosten würde diesen "äußerst liebevollen und sehr nützlichen" Service in Anspruch zu nehmen.

Antwort: "Für Sie nur 99EUR/Jahr" (pro Domain natürlich)!

Ab hier wurde es ein sehr ermunterndes Telefonat für mich! Ich lobte in den höchsten Tönen seinen zuvorkommenden Service. Ich zeigte mich sehr interessiert daran, dass so ein Service ja durchaus weiterzuempfehlen wäre, um auch anderen Kunden "unlauteren Wettbewerb und Schaden im Marketing" zu ersparen. Ich freute mich auch sehr ausführlich darüber, dass (mit seinem wundervollen Service) ja nun endlich alle Abmahnungen bezüglich Domains mit geschützten Namen (oder Namensteilen) und alle Rechtsstreitigkeiten hinsichtlich der Aufgabe/Freigabe geschäftsschädigender Domains ein längst fälliges Ende hätten. Meinem Gesprächspartner schien das offensichtlich sehr zu gefallen, er plauderte jedenfalls immer lockerer und fröhlicher vor sich hin.

Dann stellte ich die alles entscheidende Frage: "Wie kommt Ihr Unternehmen eigentlich an die Daten einer Registrierungsanfrage von VeriSign" (Registrierungsbehörde für .com und .net, ähnlich der DENIC für .de).

Nach ungewöhnlich langem Schweigen am anderen Ende, kam die Antwort bei welcher ich nun wirklich nicht mehr inne halten konnte: "Was ist VeriSign?"

Laut lachend (ja, er blieb immernoch am Telefon) klärte ich Ihn über die richtige Antwort auf und verabschiedete mich mit den Worten: "Vielen Dank für die Information, dass die beiden Domains noch immer frei sind ... Ich werde meinem Kunden nahe legen, dies in naher Zukunft, beim Anbieter seines Vertrauens, zu ändern. Dann legte ich auf.

Fazit für alle die ggf. einen ähnlichen Anruf erhalten

Es gibt kein Vorkaufsrecht bei Domains. Nicht ohne Grund existieren 1000++ bewusst dubiose oder schädigende Domains (selber Markenname, ähnlich wie ein Markenname, Markenname mit üblichen Schreibfehlern, etc.) im Internet und es werden täglich zig Rechsstreitigkeiten darum ausgefochten! Auch erfährt wohl kein privates Unternehmen vorab von anstehenden Registrierungen bei VeriSign, Denic und anderen Registrierungsbehörden. Und reine Domains gibt es schon ab weit unter einem Euro/Monat ... also gleich mitbestellen, wenn man Schäden befürchtet!

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